Brieg, gelegen auf dem halben Weg zwischen Breslau und Oppeln, ist eine der ältesten und schönsten Städte Schlesiens. Die einst auf dem Gebiet Briegs situierte Fischer- und Händlersiedlung Wissoke Brzegh ist zum ersten Mal 1234 urkundlich erwähnt worden. Auf die Entstehung der Stadt wirkte sich die günstige Lage positiv aus, Brieg als Knotenpunkt wichtiger Handelswege verband die Zentren des mittelalterlichen Schlesiens mit Nachbarstaaten. Die Gründung Briegs erfolgte aufgrund des zwischen 1246 und 1248 erlassenen und 1250 anerkannten westeuropäischen Gründungsrechts. Die vom Breslauer Fürst Heinrich III. ausgestellte Gründungsurkunde legte das Gründungsgebiet fest, das sich heute noch leicht am Aufbau der Altstadt ablesen lässt.

Um die Jahrhundertwende vom 13. zum 14. Jh. ließen sich in der Stadt klösterliche Orden (u.a. Franziskaner, Dominikaner, Amtonniter, Johanniter) nieder. Die genannten Orden erbauten in der Stadt ihre Kirchen und Klöster. Mit der Teilung des Fürstentums Breslau von 1311 in drei Fürstentümer (das Fürstentum Breslau, Liegnitz und Brieg) wurde Brieg zur Hauptstadt des kleinsten. Die Blütezeit Briegs ist mit der Herrschaft der Liegnitz-Wohlau-Brieger Piastenlinie – des ersten polnischen königlichen Herrscherhauses unzertrennlich verbunden. Der Fürst Boleslaus III., Sohn des Breslauer Fürsten Heinrich V., vereinigte als erster das Fürstentum Brieg mit dem des Liegnitz und ließ sich im Jahre 1312 zum Herrscher von Legnica und Brzegula ernennen. Beide Fürstentümer vereinigte und teilte man inzwischen mehrere Male. 1329 nahm Boleslaus III. die böhmische Lehnsherrschaft an und nahm sich Brieg 1342 zur festen Residenz. In der 2. Hälfte des 14. Jhs. war der größte Bau- und Kulturmäzen Fürst Ludwig I. Er baute das Fürstschloss aus, an dem er die Stiftskirche Sankt Hedwig mit einer reichen Büchersammlung errichtete. Als das wertvollste Buch in der ganzen Sammlung galt die illuminierte Legende von der heiligen Hedwig (sog. Lüben-Kodex). Ludwig I. förderte auch finanziell den Umbau der Nikolaikirche. Nach dem Brand 1380 baute man ebenfalls das Stadtrathaus um. 1390 führte Ludwig I. die ersten auf dem Gebiet Polens erwähnten archäologischen Arbeiten im ehemaligen Kastell in Ryczyn bei Brieg durch. In den Jahren 1428-1432 wurde Brieg von Hussiten zerstört, zahlreiche Naturkatastrophen trugen ebenfalls zur weiteren Zerstörung bei. 1443 während des Erdbebens stürzten z.B. die Gewölbe der Nikolaikirche ein. Zur Zeit der größten territorialen Ausdehnung umfasste das Fürstentum Brieg Lüben, Haynau, Ohlau, Kreuzburg, Pitschen, Konstadt sowie Nimptsch und Strehlen (nach 1427). Seit dem 15. Jh. verringerten sich allmählich die Gebiete, in der 2. Hälfte des 15. Jhs. litt die Stadt unter großer finanzieller Not. Im 16. Jh. während der Herrschaft von Georg I. gewann Brieg erneut den Rang der Hauptstadt des Fürstentums Liegnitz-Wohlau-Brieg. Zum Aufschwung der Baukunst und Kultur kam es während der Herrschaft seiner Nachfolger, vor allem sollen hier Friedrich II. und Georg II. genannt werden. Der Fürst Friedrich führte in der Stadt und im Fürstetum das Luthertum ein. Während seiner Herrschaft verließen Franziskaner und Dominikaner die Stadt. Friedrich II. begann im Geiste der Renaissance mit dem Umbau des Schlosses, im Angesicht des türkischen Einfalls beschloss er auch den Umbau der Befestigungsanlage der Stadt. Während der Befestigungsarbeiten zerstörte man die älteste, in den Quellen überlieferte romanische Kirche der Heiligsten Jungfrau Maria. 1545 riss man die Kirche sowie das Kloster der Dominikaner ab. Die Bauarbeiten setzte der Fürst Georg II. fort. Sein berühmtestes Werk, an dem sich italienische Architekten beteiligten, war das im Renaissancestil umgebaute Schloss. Sie waren es auch, die das Stadtrathaus nach dessen Brand 1569 umbauten. Der Fürst unterstützte die Kultur und die Wissenschaft, als Beispiel dafür kann das von ihm gestiftete Gymnasium Illustre Bregense gelten, das später Piastengymnasium genannt wurde. Nach 1582 baute man die Franziskanerkirche zum Arsenal um. Im 16. Jh. war Brieg ein bewegtes Handelszentrum. Das hierher zum bekannten Viehmarkt aus den Grenzgebieten Polens getriebene Vieh wurde an Kaufleute aus ganz Deutschland verkauft. Während des 30-jährigen Krieges wurde Brieg dank der im 16. Jh. ausgebauten Befestigungsanlage vom belagernden schwedischen Heer nicht erobert. Der Krieg zog jedoch nach sich große Schäden für das Fürstentum und seine Städte. 1675 starb Georg IV. Wilhelm – der letzte männliche Vertreter der Piastenlinie. Die Stadt und das Fürstentum gelangten daraufhin unter die Macht der Habsburger. Die Herrschaft der Habsburger war mit der Rekatholisierungspolitik eng verbunden. An die Stelle der im 16. Jh. verbannten Orden wurden Jesuiten und Kapuziner nach Brieg geholt, die in der Stadt ihre Klöster und Kirchen erbauten.

1741 wurde Brieg einschließlich der Altstadt während der Belagerung durch die Armee des preussischen Königs Friedrich II. Wilhelm weitgehend zerstört. Ein Jahr später kam es mit ganz Schlesien unter die preussische Herrschaft. Brieg wurde zur Kreis- und Garnisonstadt. 1748 baute man in Brieg an der ganzen Oder entlang die erste Flussschleuse auf. Zu dieser Zeit wurde auch die Befestigungsanlage ausgebaut. Nach der Eroberung der Stadt durch Napoleon im Jahre 1807 zerstörte man die ganze vorhandene Befestigungsanlage. An ihrer Stelle entstanden Promenaden, Parks und Parkanlagen. Schon im Jahre 1842 kam in Brieg die erste Eisenbahn an (aus Breslau). In der 1. Hälfte des 19. Jhs. beschränkte sich die Bedeutung Briegs auf die lokale Ebene. Diese Situation dauerte bis in die 70-er Jahre des 19. Jh. hinein. Etwa zur Zeit der Jahrhundertwende wurde mit dem weiteren Stadtausbau begonnen. 1907 war Brieg keine Kreisstadt mehr, dafür jedoch hat man Brieg den höheren Rang der freien Stadt zuerkannt. In den 20-er Jahren des 20. Jhs. verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Stadt, bis man wieder die Garnison in sie versetzte und begann, den 1916 entstandenen Militärflugplatz profitabel zu nutzen. Der zweite Weltkrieg bedeutete für die Stadt die größten Zerstörungen sowie Anschluss an einen anderen Staat. Der Aufbau von Zerstörtem ging hier mit dem Ausbau der Industrie, besonders der Lebensmittel- und Elektromaschinenindustrie, einher. Im südlichen von der Entwicklung meist betroffenen Teil der Stadt entstanden neue Wohnsiedlungen. Bis 1950 gehörte Brieg zu der Woiwodschaft Breslau. Nach der damals durchgeführten Verwaltungsreform wurde es in die Woiwodschaft Oppeln aufgenommen. Während man das Jahrtausend der Taufe Polens feierte, kam es in der Stadt im Mai 1966 zu sog. „Brieger Vorfällen“. Die damalige Miliz verwies wider den Protest der Gesellschaft die Geistlichen aus dem Pfarrhaus in der Zamkowa-Straße. Der Protest der Stadtbewohner endete mit den vom Sicherheitsdienst gegen sie vorgenommenen Repressalien. Nach der Verwaltungsreform 1975 löste man den Kreis Brieg auf. Infolge der sich 1997 über südliche Gebiete Polens erstreckenden Überschwemmung erlitt der nördliche Stadtteil Schäden. Seit Januar 1999 ist Brieg wieder eine Kreisstadt.